Nutri-Score erklärt: Berechnung, Bedeutung und Grenzen
Wie der Nutri-Score von A bis E berechnet wird, welche Nährwerte zählen, warum er in Deutschland freiwillig ist und was er nicht aussagt.
Auf vielen Verpackungen im Supermarkt ist eine Skala von A bis E in fünf Farben abgebildet, von Dunkelgrün bis Rot: der Nutri-Score. Er soll auf einen Blick zeigen, wie günstig die Nährwertzusammensetzung eines Lebensmittels im Vergleich zu ähnlichen Produkten ist. Dieser Ratgeber erklärt, wie die Note zustande kommt, was sie aussagt und wo ihre Grenzen liegen.
Was ist der Nutri-Score?
Der Nutri-Score ist eine fünfstufige Nährwertkennzeichnung für die Vorderseite der Verpackung. Er wurde in Frankreich entwickelt, die Marke gehört der französischen Gesundheitsbehörde Santé publique France. Das wissenschaftliche Komitee des Nutri-Score hat den Berechnungsweg überarbeitet: 2022 für Lebensmittel und 2023 für Getränke.
In Deutschland ist der Nutri-Score freiwillig. Seit dem 6. November 2020 dürfen Unternehmen ihn nach § 4a der Lebensmittelinformations-Durchführungsverordnung (LMIDV) verwenden, verpflichtet sind sie dazu nicht. Ob ein Produkt den Nutri-Score trägt, entscheidet also der Hersteller. Fehlt er, lässt das keinen Rückschluss auf die Nährwerte zu.
Wie wird der Nutri-Score berechnet?
Grundlage sind die Nährwerte je 100 g oder 100 ml. Für jeden Bestandteil vergibt der Algorithmus Punkte:
- Ungünstige Punkte für den Brennwert (Energie), Zucker, gesättigte Fettsäuren und Salz. Je höher der Gehalt, desto mehr Punkte. Bei Getränken kommen Punkte für enthaltene Süßstoffe hinzu.
- Günstige Punkte für Eiweiß, Ballaststoffe und den Anteil an Obst, Gemüse und Hülsenfrüchten.
Die günstigen Punkte werden von den ungünstigen abgezogen. Je niedriger das Ergebnis, desto besser die Einstufung. Damit ein hoher Eiweißgehalt ein Produkt mit viel Zucker, Fett oder Salz nicht aufwertet, zählen die Eiweißpunkte bei den meisten Lebensmitteln nicht mehr, sobald die ungünstigen Punkte eine bestimmte Grenze erreichen.
Eigene Regeln für verschiedene Produktgruppen
Nicht jedes Lebensmittel wird nach derselben Tabelle bewertet. Der Algorithmus unterscheidet unter anderem:
- allgemeine Lebensmittel, mit Sonderregeln für Käse und für rotes Fleisch,
- Fette, Öle, Nüsse und Samen, bei denen der Anteil der gesättigten Fettsäuren am Gesamtfett eine Rolle spielt,
- Getränke, zu denen seit 2023 auch Milch, Milchgetränke und Pflanzendrinks zählen. Die Note A ist bei Getränken Wasser vorbehalten.
Für allgemeine Lebensmittel gelten diese Grenzen:
| Punktzahl (allgemeine Lebensmittel) | Nutri-Score |
|---|---|
| 0 oder weniger | A |
| 1 bis 2 | B |
| 3 bis 10 | C |
| 11 bis 18 | D |
| 19 und mehr | E |
Für Fette, Öle, Nüsse und Samen sowie für Getränke gelten andere Grenzwerte. Manche Produkte sind ganz ausgenommen, zum Beispiel Säuglingsnahrung, Nahrungsergänzungsmittel und alkoholische Getränke mit mehr als 1,2 Volumenprozent Alkohol.
Wofür der Nutri-Score gedacht ist
Am aussagekräftigsten ist der Nutri-Score beim Vergleich ähnlicher Produkte: zwei Müslis, zwei Tiefkühlpizzen, zwei Fruchtjoghurts. Hier zeigt er schnell, welche Variante mehr Zucker, Salz oder gesättigte Fettsäuren und weniger Ballaststoffe enthält. Zwischen sehr unterschiedlichen Lebensmitteln, etwa Speiseöl und Mineralwasser, ist ein Vergleich wenig sinnvoll, weil sie nach verschiedenen Tabellen bewertet werden.
Ein gedachtes Beispiel aus dem Frühstücksregal: Liegen ein Haferflockenmüsli ohne Zuckerzusatz und ein gezuckertes Knuspermüsli mehrere Stufen auseinander, obwohl beide auf Getreide basieren, ergibt sich der Unterschied in der Regel aus Zucker, gesättigten Fettsäuren und Ballaststoffen. Wie groß er im Einzelfall ist, hängt von den Nährwerten der beiden Produkte ab.
So liest man die Skala
Die Skala zeigt immer alle fünf Buchstaben von A bis E, vom dunkelgrünen A über Hellgrün, Gelb und Orange bis zum roten E. Der Buchstabe, den das Produkt erreicht, ist größer hervorgehoben. Die Skala selbst enthält keine Zahlen: Wer wissen will, warum ein Produkt eine bestimmte Note hat, muss in die Nährwerttabelle schauen. Dort lässt sich ablesen, ob vor allem Zucker, Salz oder gesättigte Fettsäuren die Note nach unten ziehen oder ob Ballaststoffe und Eiweiß sie verbessern.
Was der Nutri-Score nicht aussagt
- Kein Urteil über die gesamte Ernährung. Ein E heißt nicht, dass ein Lebensmittel tabu ist, ein A nicht, dass man davon beliebig viel essen sollte. Entscheidend ist die Ernährung insgesamt; Orientierung dafür geben die lebensmittelbezogenen Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE).
- Keine Portionsgröße. Bewertet wird je 100 g oder 100 ml. Ein Öl, von dem meist nur ein Esslöffel verwendet wird, wird ebenso pro 100 g berechnet wie ein Gericht, das man tellerweise isst.
- Kein Verarbeitungsgrad und keine Zusatzstoffe. Wie stark ein Produkt verarbeitet ist oder welche Zusatzstoffe es enthält, fließt nicht ein, abgesehen von den Süßstoffpunkten bei Getränken.
- Keine Vitamine, Mineralstoffe oder Allergene. Dafür bleiben Nährwerttabelle und Zutatenverzeichnis maßgeblich.
Der Nutri-Score ersetzt deshalb nicht den Blick auf die Nährwerttabelle und die Zutatenliste. Wie viel Zucker zugesetzt wurde, verrät er zum Beispiel nicht; Hinweise dazu gibt der Ratgeber Zucker in Lebensmitteln.
Häufige Fragen
Warum hat ein Produkt im Laden eine andere Note als hier?
Die Note auf der Packung ermittelt der Hersteller mit seinen eigenen, oft genaueren Angaben, etwa zum Obst- und Gemüseanteil. Auch Rezepturänderungen oder eine ältere Version des Algorithmus können zu Unterschieden führen.
Ist ein Produkt mit Süßstoff besser bewertet?
Nicht automatisch. Bei Getränken führen Süßstoffe zu zusätzlichen ungünstigen Punkten. Mehr über Süßungsmittel steht in unserer Übersicht der Süßungsmittel.
Der Nutri-Score auf FoodFact
Auf den Produktseiten von FoodFact berechnen wir den Nutri-Score selbst nach dem Algorithmus von 2023 aus den angegebenen Nährwerten je 100 g bzw. 100 ml; die Produktgruppe leiten wir aus den Kategorien von Open Food Facts ab. Fehlen Angaben zum Anteil an Obst, Gemüse und Hülsenfrüchten, zu Ballaststoffen oder zu Eiweiß, rechnen wir sie mit null und kennzeichnen den Wert als geschätzt. Unsere Berechnung kann daher von der Angabe auf der Verpackung abweichen, und nicht jedes Produkt, für das wir eine Note berechnen, trägt den Nutri-Score tatsächlich. Zum Vergleichen gibt es Listen der Produkte mit den meisten Ballaststoffen und der Produkte mit weniger Zucker sowie den Produktvergleich.