BMI, Taillenumfang und Körperfett erklärt
Was DGE, RKI und die Adipositas-Leitlinie zu BMI und Taillenumfang sagen, wie Sie messen und warum Körperfett-Prozente auf Waagen schwerer zu deuten sind.
Amazon-Links sind Affiliate-Links (Werbung). Als Amazon-Partner verdiene ich an qualifizierten Verkäufen. Mehr zu diesen LinksEine Körperanalysewaage oder ein Gesundheitscheck kann Ihnen drei Arten von Zahlen nennen: BMI, Taillenumfang und Körperfettanteil. Sie beantworten verschiedene Fragen, und die Bereiche dazu stammen aus unterschiedlichen Quellen. Dieser Ratgeber zeigt, was die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE), das Robert Koch-Institut (RKI), die S3-Leitlinie zur Adipositas und gesund.bund.de zu den Zahlen sagen, wie Sie die ersten beiden selbst bestimmen und warum Körperfett-Prozente am schwersten zu deuten sind. Er ist allgemeine Information für Erwachsene und keine medizinische Beratung. Die Kaufkriterien finden Sie im Ratgeber Körperanalysewaage kaufen.
BMI: Was er ist und was er nicht zeigt
Die DGE beschreibt den Body-Mass-Index als Quotienten aus Gewicht und Körpergröße zum Quadrat (kg/m²). Bei 70 kg und 1,75 m Größe teilen Sie 70 durch 3,0625 und erhalten 22,9. Das RKI beruft sich für die Klassen auf die Einteilung der Weltgesundheitsorganisation (WHO); S3-Leitlinie und DGE nennen dieselben Grenzen:
- Untergewicht: unter 18,5
- Normalgewicht: 18,5 bis 24,9
- Übergewicht (Präadipositas): 25,0 bis 29,9
- Adipositas Grad I: 30,0 bis 34,9; Grad II: 35,0 bis 39,9; Grad III: ab 40
Die DGE ordnet den Klassen ein Risiko für Begleiterkrankungen des Übergewichts zu, von niedrig bei Untergewicht über durchschnittlich bei Normalgewicht und gering erhöht bei Präadipositas bis sehr hoch ab Grad III. Die S3-Leitlinie verlangt, bei Verdacht auf Übergewicht Gewicht, Größe und daraus den BMI zu bestimmen, und mahnt zugleich, seine Grenzen zu bedenken: Er beschreibe den Körperfettanteil nur ungenau, unterscheide nicht zwischen Fett-, Muskel- und Knochenmasse und sage nichts über die Verteilung des Fettgewebes. Ältere Erwachsene hätten bei gleichem BMI mehr Körperfett als jüngere, Frauen im Durchschnitt mehr als Männer, und sehr muskulöse Personen könnten wegen der Muskelmasse einen hohen BMI haben. Das Portal gesund.bund.de sagt dasselbe in einfacher Form.
Ältere Erwachsene, Kinder und Jugendliche
Die S3-Leitlinie schreibt, der BMI sei für ältere Menschen nicht der geeignetste Prädiktor für Krankheit und Sterblichkeit, weil er altersbedingte Umverteilungen des Körperfetts nicht erfasse. Sie nennt Studien, nach denen der BMI-Bereich mit der niedrigsten Sterblichkeit bei Menschen ab 65 Jahren höher liegt (25 bis unter 30) als bei jüngeren (20 bis unter 25). Eine Aufforderung zum Zunehmen ist das nicht; sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt über Ihr Gewicht.
Für Kinder und Jugendliche gelten die Erwachsenenklassen nicht. Die DGE empfiehlt BMI-Perzentilen nach Alter und Geschlecht, weil das Wachstum noch nicht abgeschlossen ist. Übergewicht beginnt oberhalb der 90. Perzentile und Adipositas oberhalb der 97. Das RKI beschreibt, dass in Deutschland üblicherweise das Referenzsystem nach Kromeyer-Hauschild verwendet wird. gesund.bund.de verweist auf einen eigenen BMI-Rechner des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit für 1- bis 18-Jährige, der mit Wachstumskurven vergleicht. Bei Sorgen um Gewicht oder Wachstum eines Kindes ist die Kinderärztin oder der Kinderarzt zuständig.
Taillenumfang: selbst messen
Als Merkmal des Fettverteilungsmusters gibt der Taillenumfang nach der DGE bei einem BMI unter 35 eine wichtige Zusatzinformation. Ab einem Umfang über 80 Zentimeter bei Frauen und über 94 Zentimeter bei Männern steige das Risiko für Herz-Kreislauf- und Stoffwechselkrankheiten. Eine Standardarbeitsanweisung der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) von 2017 unterscheidet zwei Stufen:
- erhöhtes Risiko für metabolische und kardiovaskuläre Komplikationen: ab 94 cm bei Männern und ab 80 cm bei Frauen
- deutlich erhöhtes Risiko: ab 102 cm bei Männern und ab 88 cm bei Frauen
Die ABDA beschreibt die Messung so: im Stehen zwischen dem untersten Rippenbogen und dem Oberrand des Beckenknochens, in der Mitte dazwischen, normal weiteratmen und die Luft nicht anhalten. Das Maßband soll gut anliegen, aber nirgends in die Haut einschneiden. Ein flexibles Band finden Sie über die Suche Körper-Maßband auf Amazon (öffnet in neuem Tab).
Die S3-Leitlinie bewertet das vorsichtig. Sie sagt, Taillenumfang und die abgeleiteten Größen könnten zu Therapiebeginn zusätzlich bestimmt werden (Empfehlungsgrad „kann“, Evidenz niedrig). Für das Verhältnis von Taille zu Körpergröße (englisch Waist-to-Height-Ratio, WHtR), also Taillenumfang in Zentimetern geteilt durch Körpergröße in Zentimetern, sei ein Grenzwert von 0,5 für Männer und Frauen vorgeschlagen worden. Ein Beispiel von uns: Bei 85 cm Taille und 172 cm Größe ergibt sich 0,49. Die Leitlinie nennt außerdem die Auffassung der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin, die Bestimmung des Taille-Hüft-Verhältnisses solle in der Hausarztpraxis nicht routinemäßig erfolgen.
Körperfettanteil: die am schwersten zu deutende Zahl
In der S3-Leitlinie ist Adipositas als über das Normalmaß hinausgehende Vermehrung des Körperfetts definiert, klassifiziert wird aber nach dem BMI. Einen Prozentbereich für das Körperfett fanden wir in der Leitlinie und in den Seiten von DGE und gesund.bund.de, die wir gelesen haben, nicht. Waagen zeigen trotzdem Bereiche an, und sie stammen vom Hersteller:
- Die Beurer-Anleitung gibt Richtwerte nach Alter und Geschlecht. Für Frauen von 30 bis 39 Jahren nennt sie 19 bis 24 % als „normal“ und 24,1 bis 29 % als „mäßig“, verweist für weitere Informationen auf den Arzt und erklärt, bei Sportlern seien oft niedrigere Werte festzustellen.
- Garmin nennt für Erwachsene Bereiche des American Council on Exercise, bei Frauen etwa „Fitness“ von 21 bis 24 % und „Akzeptabel“ von 25 bis 31 %, und schreibt, die Daten seien nicht zur Diagnose von Erkrankungen vorgesehen.
Dieselben 28 % wären danach bei einer 35-jährigen Frau „mäßig“ nach Beurer und „akzeptabel“ nach Garmin. Die Bereiche gehören also zur Waage und nicht zu einer Gesundheitsbehörde. Ein Etikett auf dem Display ist kein Gesundheitsurteil.
Dazu kommt die Unsicherheit der Messung. Eine Übersichtsarbeit von 2026 mit zwölf Studien fand Übereinstimmungsgrenzen von typischerweise 15 bis 20 Prozentpunkten zwischen BIA-Geräten und einem Labormodell, und eine Studie aus einem französischen Krankenhaus ergab bei drei Smart-Waagen im Median 2,2 bis 4,4 kg zu niedrige Fettmasse gegenüber der DEXA. Beides erklärt der Ratgeber Was Körperanalysewaagen messen können. Sinnvoll ist die Zahl als Verlauf derselben Waage unter gleichen Bedingungen.
Weitere Werte wie Körperwasser, Muskelanteil, Knochenmasse oder Grundumsatz sind Berechnungen des Herstellers. Beurer erklärt, die Knochenmasse sei nur der Mineralanteil und dürfe nicht mit der Knochendichte verwechselt werden, und der Grundumsatz werde mit der Harris-Benedict-Formel berechnet. Lesen Sie die Definition in der Anleitung.
Welche Zahl beantwortet welche Frage?
- Liegt mein Gewicht für meine Größe im üblichen Bereich? Der BMI, mit den Klassen von DGE, RKI und Leitlinie.
- Trage ich Gewicht um die Körpermitte? Der Taillenumfang oder das Verhältnis von Taille zu Größe, die Sie mit dem Maßband bestimmen.
- Ändert sich mein Gewicht über Wochen? Das Gewicht Ihrer Waage als Wochenmittel; siehe Richtig wiegen.
- Bewegt sich die Fett- oder Muskelschätzung? Nur als Verlauf dieser einen Waage, mit der Unsicherheit von oben.
Hinweise
gesund.bund.de beschreibt Essstörungen als ernsthafte Erkrankungen, bei denen das Selbstwertgefühl übermäßig vom Gewicht und von der Figur abhängt, und nennt die Hausärztin oder den Hausarzt als erste Anlaufstelle. Wenn Messen, Wiegen und Vergleichen Ihre Sorgen verstärken, hören Sie auf und holen Sie Rat. Withings schreibt, die Body Smart solle bei Herzschrittmacher oder anderen medizinischen Implantaten nicht verwendet werden; prüfen Sie bei jeder Waage, die mit Strom misst, den Wortlaut des Herstellers. Eine Körperanalysewaage auf Amazon (öffnet in neuem Tab) liefert Schätzwerte, aber keine Antworten auf Fragen zu Ihrer Gesundheit; bei Sorgen wegen einer Zahl wenden Sie sich an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.
BMI und Taillenumfang sind Orientierungswerte und keine Diagnose. Die Ärztin oder der Arzt kann sie mit Ihrer Vorgeschichte zusammen beurteilen. Für die Bedienung Ihrer Waage ist die Anleitung maßgeblich.