Was Körperanalysewaagen messen können: BIA und DEXA im Vergleich
Wie Körperanalysewaagen Körperfett schätzen, was den Messwert verändert und was Studien im Vergleich mit DEXA und Laborverfahren zur Genauigkeit zeigen.
Amazon-Links sind Affiliate-Links (Werbung). Als Amazon-Partner verdiene ich an qualifizierten Verkäufen. Mehr zu diesen LinksEine Körperanalysewaage schickt einen Strom, den Sie nicht spüren, durch Ihre Füße und zeigt danach Körperfett, Wasser, Muskeln und Knochen an. Dieser Ratgeber erklärt, was diese Technik, die bioelektrische Impedanzanalyse (BIA), tatsächlich misst, wie sie in den Studien, die wir gelesen haben, im Vergleich mit der DEXA abschneidet und was daraus für den Alltag folgt. Er ist allgemeine Information für Erwachsene und keine medizinische Beratung. Die Kaufkriterien finden Sie im Ratgeber Körperanalysewaage kaufen.
Was die Waage misst
Das Garmin-Handbuch beschreibt das Prinzip der Index S2: Das Gerät schickt einen sehr schwachen Strom, den man nicht bemerkt, durch beide Füße und wertet aus, wie stark der Körper ihn bremst; daraus schätzt es die Zusammensetzung. Ein Übersichtsartikel von Marra und Kollegen aus dem Jahr 2019 erklärt die Grundidee: Wie ein Strom durch den Körper fließt, hängt von dessen Zusammensetzung ab. Daraus wird das Gesamtkörperwasser geschätzt, das bei gesunden Menschen etwa 73 % der fettfreien Masse ausmacht.
Die Waage misst also nicht Fett, sondern einen elektrischen Widerstand, und rechnet ihn mit einer Gleichung um. Die Autorinnen und Autoren einer Studie zu Smart-Waagen von 2021 beschreiben, dass die fettfreie Masse aus einem Modell mit Körperimpedanz, Größe, Gewicht und Alter berechnet wird, das mit DEXA-Daten trainiert wurde; die Fettmasse wird daraus abgeleitet. Wie genau das Ergebnis ist, hängt davon ab, wie gut die Trainingsgruppe zu Ihnen passt. Jede Waage hat ihre eigene Gleichung, und die verwendeten Gleichungen sind laut den Autoren nicht bekannt. Zwei Waagen können deshalb für dieselbe Person verschiedene Körperfettwerte anzeigen.
Fuß-zu-Fuß-Waagen messen zudem nur den unteren Körperteil und rechnen auf den ganzen Körper hoch. Das macht sie nach derselben Studie empfindlicher für Unterschiede im Körperbau. Sie verweist auf technische Arbeiten, nach denen Fußgröße und Fußbreite, Schweiß, die Position der Füße und gebeugte Beine das Ergebnis verändern können. Marra und Kollegen ergänzen, dass solche Gleichungen meist geräte- und populationsspezifisch sind und nur bei Menschen taugen, die der Referenzgruppe ähneln und normal mit Flüssigkeit versorgt sind. Krankheiten, die den Wasserhaushalt verändern, wie Austrocknung oder Ödeme, können die Standardgleichungen unbrauchbar machen.
Was den Messwert verändert
- Wasser. Garmin schreibt, Aktivitäten, die Gewicht, Flüssigkeitshaushalt und Wasserverteilung vorübergehend beeinflussen, könnten die Genauigkeit der Messwerte verändern. Der Hersteller empfiehlt, nach Essen, Trinken, Training, Baden oder Sauna zwei Stunden zu warten. Marra und Kollegen nennen eine nicht standardisierte Körperposition, vorherige Bewegung sowie Essen und Trinken als Einflüsse.
- Die Füße. Beurer verlangt für die Fettmessung barfuß zu stehen; mit Socken sei das Ergebnis nicht korrekt. Leicht angefeuchtete Fußsohlen seien zweckmäßig, denn völlig trockene oder stark verhornte Sohlen leiten zu schlecht. Auch Garmin verlangt eine trockene Standfläche, keine Socken, gleichmäßige Belastung und ruhiges Stehen, ohne Display oder Logo zu berühren.
- Der Zeitpunkt. Beurer rät, nach dem Aufstehen etwa 15 Minuten zu warten, damit sich das Körperwasser verteilen kann, und nach ungewohnter Anstrengung einige Stunden. Garmin bittet, das Gerät jedes Mal unter den gleichen Bedingungen und zur gleichen Uhrzeit zu nutzen.
- Die Gleichung. Wie oben beschrieben, rechnet jedes Modell auf seine Weise.
Die DEXA: die Referenz in der Klinik
Die Dual-Energy-Röntgenabsorptiometrie (DXA, auch DEXA genannt) gilt laut Marra und Kollegen in der klinischen Praxis als Referenztechnik für die Körperzusammensetzung. Die Strahlung eines Ganzkörperscans entspricht ihren Angaben nach etwa 1 bis 10 % einer Röntgenaufnahme des Brustkorbs, und mehr als zwei Ganzkörperscans im Jahr werden derzeit nicht empfohlen. Die S3-Leitlinie zur Adipositas nennt BIA und DXA als validierte Verfahren, wenn bei Übergewicht der klinische Verdacht auf eine sarkopene Adipositas besteht, also auf Muskelschwund bei hohem Körperfett. Als Voraussetzung nennt sie geeignete Geräte und Auswertungsalgorithmen sowie geschultes Personal. Schäden seien weder bei der BIA noch bei der DXA zu erwarten, wobei die DXA mit einer minimalen Strahlenexposition einhergeht. Studien zu den Abständen gibt es laut Leitlinie nicht; sie nennt für die BIA 3 bis 6 Monate und für die DXA 6 bis 12 Monate. Die DEXA ist demnach eine ärztlich veranlasste Untersuchung und kein wöchentliches Heimverfahren.
Was die Studien fanden
Drei Smart-Waagen gegen DEXA. Frija-Masson und Kollegen ließen Patientinnen und Patienten eines französischen Krankenhauses gleich nach der DEXA auf einer von drei Smart-Waagen wiegen: 53, 52 und 48 Personen je Waage. Sie waren wegen Adipositas oder einer chronischen Erkrankung zur DEXA überwiesen worden und mussten nicht nüchtern sein. Der mediane Fehler beim Körpergewicht betrug 0,3 kg, 0 kg und 0,25 kg. Die Fettmasse lag im Median um 2,2 kg, 4,4 kg und 3,7 kg zu niedrig, bei großer Streuung zwischen den Personen. Bei zwei Waagen hing der Fehler mit Gewicht und BMI zusammen. Das Fazit: Smart-Waagen seien für die Körperzusammensetzung nicht genau und sollten die DEXA in der Patientenversorgung nicht ersetzen. Es war eine Stichprobe aus einem Krankenhaus mit drei Modellen, sie beschreibt also nicht jede Waage.
BIA gegen DXA bei Adipositas. Die S3-Leitlinie fasst eine Übersichtsarbeit von Becroft zusammen, die 16 Querschnittsstudien bei Menschen mit Adipositas auswertete. Die Werte von BIA und Referenzmethoden, meist DXA, korrelierten hoch, auf der Ebene einzelner Personen war die Übereinstimmung aber geringer, und die Studien unterschieden sich stark.
BIA gegen ein Vier-Kompartiment-Modell. Oliver und Kollegen werteten 2026 zwölf Studien an gesunden Erwachsenen mit stabilem Gewicht aus, die BIA-Geräte mit einem Vier-Kompartiment-Labormodell verglichen. Die mittlere Abweichung beim Körperfettanteil reichte von 3,5 Prozentpunkten zu niedrig bis 4,4 zu hoch, die Übereinstimmungsgrenzen umfassten typischerweise 15 bis 20 Prozentpunkte. Bei der fettfreien Masse überschritten sie oft ±6 kg. Die Autoren schreiben, solche weiten Grenzen zeigten bei einzelnen Personen keine Gleichwertigkeit, obwohl die mittleren Unterschiede klein seien.
Fünfzehn Geräte im Verlauf. Siedler und Kollegen verglichen 2023 fünfzehn Geräte, vierzehn davon für Verbraucher, bei 73 gesunden Erwachsenen mit einem Labormodell. Die Wiederholgenauigkeit war hoch, der Fehler bei der Wiederholung lag zwischen 0,0 und 0,49 %. Die Abweichung vom Labormodell reichte jedoch von 3,5 Prozentpunkten zu niedrig bis 11,7 zu hoch. Bei der Veränderung über 12 bis 16 Wochen waren die Fehler kleiner. Ausgewählte Geräte mit acht Elektroden und einzelne Fuß-zu-Fuß-Modelle könnten laut den Autoren nützlich sein, um Veränderungen zu verfolgen, wobei die Leistung der Geräte stark schwankte.
Was das für Ihre Nutzung bedeutet
- Das Gewicht ist der verlässliche Wert. In der französischen Studie lag es nah an der Referenz.
- Lesen Sie Körperfett als Verlauf einer Waage. Messen Sie unter gleichen Bedingungen und schauen Sie auf Wochen statt auf einzelne Werte. Die Autoren der französischen Studie raten für Verlaufskontrollen in der Klinik zum selben vernetzten Gerät, damit die Messungen vergleichbar bleiben; zu Hause liegt dieselbe Regel nahe. Beurer betont in der Anleitung, nur der langfristige Trend zähle.
- Ein Farbbalken ist keine Diagnose. Garmin schreibt zu seinen Bereichen, die Daten seien nicht zur Diagnose von Erkrankungen vorgesehen und man solle stets mit der Ärztin oder dem Arzt sprechen. Beurer verweist bei seinen Richtwerten ebenfalls auf den Arzt.
- Die Einordnung Ihres Gewichts leistet der BMI. In der deutschen Leitlinie wird das Körpergewicht anhand des BMI klassifiziert. Die Zahlen erklärt der Ratgeber BMI, Taillenumfang und Körperfett.
Wann Sie die Körperanalyse weglassen sollten
Beurer schreibt, die BF 720 dürfe nicht von Personen mit medizinischen Implantaten wie Herzschrittmachern und nicht während der Schwangerschaft verwendet werden. Garmin sagt zum Herzschrittmacher dasselbe und rät Schwangeren zur ärztlichen Rücksprache. Withings empfiehlt bei Herzschrittmacher oder metallischem Implantat den Nur-Gewicht-Modus. Wenn Zahlen zu Körperfett oder Gewicht bei Ihnen Sorgen um Essen und Körper verstärken, schreibt gesund.bund.de zu Essstörungen, die Hausärztin oder der Hausarzt sei eine erste Anlaufstelle. Mehr zu den Hinweisen im Kaufratgeber.
Passende Suchen
Das IQWiG schreibt, manche Menschen fänden eine Bioimpedanz-Analysewaage hilfreich. Wenn Sie die Schätzwerte wollen, suchen Sie nach einer Körperanalysewaage auf Amazon (öffnet in neuem Tab) oder nach Körperfettwaagen mit Bluetooth auf Amazon (öffnet in neuem Tab) und lesen Sie die Anleitung vor dem ersten Gebrauch. Reicht Ihnen das Gewicht, ist Personenwaage digital auf Amazon (öffnet in neuem Tab) die einfachere Suche. Amazon entscheidet, welche Treffer erscheinen.
Maßgeblich ist die Anleitung Ihrer Waage. Ihre Ärztin, Ihr Arzt oder Ihre Apotheke ist die richtige Ansprechperson, wenn es um Ihre Gesundheit geht.